Die historische Lucas-Mühle in Giersleben

Geschichte

Geschichte der Lucas-Mühle

Über 600 Jahre Mühlengeschichte in Giersleben – von der ersten urkundlichen Erwähnung bis zum heutigen Verein.

Die Mühle

Über 600 Jahre Mühlengeschichte in Giersleben

Die Geschichte der heutigen Lucas-Mühle reicht weit zurück. Bereits 1381 wurde die Gierslebener Mühle erstmals urkundlich erwähnt. Seitdem hat sie zahlreiche Besitzer erlebt, Brände überstanden, technische Veränderungen durchlaufen und selbst schwere Hochwasser überlebt.

Über Jahrhunderte war die Mühle nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in Giersleben. Heute wird dieses Stück Ortsgeschichte durch den Lucas-Mühle e. V. erhalten und mit neuem Leben gefüllt.

1381 Ersterwähnung 1884 Familie Lucas 1994 Hochwasser 2019 Verein
Die historische Lucas-Mühle in Giersleben
Chronik

Eine Zeitreise durch sechs Jahrhunderte

Quellen: Chronik der Gierslebener Mühle; Festschrift „1000 Jahre Giersleben“; historische Unterlagen und Fotografien aus dem Mühlenarchiv.

1381

Die erste urkundliche Erwähnung

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung der Gierslebener Mühle stammt aus dem Jahr 1381. Sie findet sich im „Codex Diplomaticus Anhaltinus“. Das Domstift zu Goslar übertrug damals dem Ascherslebener Bürger Hans Heidolf die Gierslebener „Mole“ als eine Art Erbpachtgut.

Im 14. Jahrhundert erlebten die anhaltischen Mühlen eine wirtschaftliche Blütezeit. Nach dem Jahr 1400 setzte jedoch ein wirtschaftlicher Niedergang ein. Um 1500 finden sich Ritter, Klöster, Bürger und Bauern als Mühlenbesitzer. Im 16. Jahrhundert versuchten zunehmend die anhaltischen Fürsten, die Kontrolle über die Mühlen zu erlangen. Giersleben gehörte damals zum Amt Warmsdorf in Anhalt-Köthen.

1663–1720

Besitzer und Pächter im 17. Jahrhundert

Ab 1663 lässt sich die Geschichte der Mühle wieder genauer nachvollziehen. Von 1663 bis 1668 befand sie sich im Privatbesitz von Ludolf Priegnitz. Anschließend gehörte sie von 1668 bis 1680 Zacharias Jahke. Im Jahr 1680 verkaufte Jahke die Mühle an das Amt Warmsdorf und wurde anschließend selbst ihr erster Pächter.

Nach dem Brand von 1684 baute Jahke die Mühle auf eigene Kosten wieder auf. Wegen der finanziellen Belastungen verließ er die Mühle 1690. Es folgten unter anderem: George Eckert (1690 – 1696), Urban Kerten (1700 – 1715) und Barthel Otto (1720).

1737 – 1884

Die Mühle wechselt ihre Besitzer

1737 verkaufte die Ehefrau Barthel Ottos die Mühle für 3.000 Taler an Christian Gottlieb Wernicke. In den folgenden rund 150 Jahren wechselte das Anwesen mehrfach seinen Besitzer.

1832 wurde die Mühle erneut durch einen Brand zerstört – und dennoch wieder aufgebaut und weiter betrieben.

ZeitraumBesitzer
1737 – 1745 Christian Gottlieb Wernicke
1745 – 1777 Oswald Rittel (Calbe)
1777 – 1801 Georg Curth (Dessau)
1801 – 1803 Johann Christian Eulenberg (Neundorf)
1803 – 1806 Georg Schubert (Giersleben)
1806 – 1812 Christian Heinrich Schubert (Giersleben)
1812 – ca. 1828 Heinrich Christian Wendenburg (Meisdorf)
1828 – ca. 1840 Friedrich Andreas Engel (Brumberg)
ca. 1840 – 1858 August Christian Wenhe (Giersleben)
1858 – ca. 1878 Friedrich Fest
1880 Eggeling
bis 1884 Rudolf Röhrig
1884

Die Familie Lucas übernimmt die Mühle

Mit Julius Lucas begann ein besonders prägender Abschnitt der Mühlengeschichte. Julius Lucas, geboren 1855, übernahm die Mühle im Jahr 1884 und führte sie bis 1922. Sein Familienname prägt den historischen Ort bis heute und gab der heutigen Lucas-Mühle ihren Namen.

1922 übernahm Hans Lucas, geboren 1888, den Betrieb und führte die Mühlentradition bis 1963 fort.

1921

Vom Mühlrad zur Turbine

Im Jahr 1921 wurde das bisherige Mühlrad durch eine Francis-Zwillingsturbine ersetzt. Damit hielt moderne Technik Einzug in die Gierslebener Mühle.

Die Wasserkraft der Wipper konnte nun wesentlich effizienter genutzt werden. Über eine Transmission lieferte die Turbine Energie für die Mühle, ein Sägewerk und einen Generator.

1963

Das Ende des aktiven Mühlenbetriebes

Bis 1963 wurde die Mühle aktiv betrieben. Während der DDR-Zeit wurde die Anlage anschließend von der LPG weitergeführt. Nach und nach erfolgte jedoch der Rückbau der ursprünglichen Mühlentechnik.

Damit endete nach mehreren Jahrhunderten die klassische Nutzung der Gierslebener Mühle.

1993

Ein Neuanfang

1993 wurde die Mühle von den Enkeln der Familie Lucas aufwendig saniert. Es entstanden neue Pläne für die weitere Nutzung des historischen Familienerbes.

1994

Die Wipper zeigt ihre Kraft

Nur ein Jahr später traf die Mühle erneut ein schwerer Schicksalsschlag. Ein Hochwasser der Wipper zerstörte die Pläne für eine weitere Nutzung des Familienerbes.

Das Hochwasser der Wipper erinnert daran, dass das Wasser für die Mühle seit jeher zugleich Lebensgrundlage, Energiequelle und Gefahr war.

2019

Ein neues Kapitel beginnt

Im Jahr 2019 wurde der gemeinnützige Lucas-Mühle e. V. gegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die historische Mühle zu pflegen, zu erhalten und zu revitalisieren.

Aus dem ehemaligen Arbeitsort entwickelt sich wieder ein Ort der Begegnung. Geschichte, Kultur, Veranstaltungen, Gemeinschaft und ehrenamtliches Engagement treffen heute an der Lucas-Mühle aufeinander.

Heute

Die Geschichte geht weiter

Die Lucas-Mühle erzählt nicht nur von vergangenen Jahrhunderten. Sie zeigt, wie ein historischer Ort durch Engagement, Gemeinschaft und Heimatverbundenheit eine neue Zukunft bekommen kann.

1684 – Die Mühle brennt ab

Im Jahr 1684 brannte die Mühle vollständig ab. Zacharias Jahke musste sie auf eigene Kosten wieder aufbauen. Die finanziellen Belastungen waren offenbar so groß, dass er die Pacht später nicht mehr bezahlen konnte und die Mühle 1690 verlassen musste.

1832 – Die Mühle brennt erneut

Im Jahr 1832 wurde die Mühle erneut durch einen Brand zerstört. Doch auch dieses Ereignis bedeutete nicht das Ende des Mühlenstandortes. Die Anlage wurde wieder aufgebaut und weiter betrieben.

Schon gewusst?

Zwischen 1381 und 1663 sind laut der überlieferten Chronik keine weiteren Akten zur Gierslebener Mühle erhalten.

Geschichte am Rande

Über Urban Kersten findet sich eine ungewöhnlich düstere Überlieferung. Er soll unter dem Eis ertrunken sein. Die damalige Aufzeichnung vermutete sogar, dass er das Loch möglicherweise selbst geschlagen hatte.

Bilder

Historische Aufnahmen

Original-Fotografien und Aufnahmen aus dem Mühlenarchiv.

Die Lucas-Mühle erzählt nicht nur von vergangenen Jahrhunderten. Sie zeigt, wie ein historischer Ort durch Engagement, Gemeinschaft und Heimatverbundenheit eine neue Zukunft bekommen kann.
Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende.